Deep Play – Installation von Harun Farocki
Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters
Harun Farockis WM 2006-Installation „Deep Play“ zum ersten Mal
in Berlin zu sehen
1,5 Milliarden Zuschauer haben im Sommer 2006 exakt dieselben Bilder
des WM-Endspiels zwischen Italien und Frankreich gesehen. Das große
Spiel mit dem Kopfstoß Zidanes beschäftigte unzählige Journalisten
und bewegte Herzen von Fußballfans auf dem gesamten Globus. Als Weltregie
der Fernsehindustrie interpretierte der Berliner Künstler und Filmemacher
Harun Farocki ein Jahr später diese Monopolisierung von Live-Bildern
in seiner Documenta-Installation „Deep Play“, welche die Veranstalter
des 5. Internationalen Fußballfilmfestivals „11mm“ nun
erstmals in Berlin präsentieren.
Im Foyer des Festivalkinos babylon berlin:mitte gibt „Deep Play“ vom
4. bis 7. April den Blick frei auf Operationen, die jenseits des alltäglich
Sichtbaren liegen. Zwölf Monitore, die so angeordnet sind, dass konkrete
Anschauungen und abstrakte Darstellung des Berliner WM-Finales sich abwechseln.
Eine Kamera, die unbewegt zwei Stunden lang das Olympiastadion von außen
fixiert und dabei zuschaut, wie der Himmel über Berlin ein farbenfrohes
Fest zu feiern scheint. Der Live-Bild-Mitschnitt, der am 9. Juli 2006 den
Fernsehanstalten der Welt geliefert wurde. Laufwege von Spielern, die sich
in bewegte Linien verwandeln. Bewegungsdiagramme, die die perfekt zelebrierte
Abwehrkunst der defensiven italienischen Viererkette in ein kunstvolles
Verschieben von bunten Linien verwandeln. Gelegentliche Vektorvermessungen
von Spielerkörpern. Kameras, die einzelnen Spielern folgen. Alle 5
Minuten wechselnde Perspektiven von Überwachungskameras, die auf ausgestorbene
U-Bahn-Stationen und in trostlose Versorgungstunnel blicken. Eine metallische
Stimme, die sichtbare Aktionen auf dem Spielfeld in schlichte Aussagesätze
wie „Materazzi – Fehlpass“ verwandelt. Über allem
der wogende Klang eines ausverkauften Olympiastadions.
Wer zwei Stunden lang „Deep Play“ betrachtet, hat das Gefühl,
ein ihm vertrautes Erlebnis mit zwölf Augenpaaren gesehen zu haben – und
kann kaum glauben, dass es sich dabei um ein und dasselbe Ereignis handeln
soll.
Eine Installation nicht nur für Fußballfans. „Deep Play“ macht
aus einem Fußballspiel ein kunstvolles Nebeneinander von Eindrücken
und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, selber zu wählen, welche
Gestalt diese annehmen sollen…
Zur Person Harun Farocki:
1944 geboren in Nový Jicin (Neutitschein), gelegen in dem damals
von den Deutschen annektierten Teil der Tschechoslowakei. 1966-68 Studium
an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). 1966 Heirat mit
Ursula Lefkes. 1968 Geburt der Töchter Annabel Lee und Larissa Lu.
Nach Dozenturen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Manila, München
und Stuttgart, 1993-1999 visiting professor an der University of California,
Berkeley. 2001 Heirat mit Antje Ehmann. Farockis Oeuvre umfasst an die 90
Filme, darunter drei Spielfilme, Essayfilme und Dokumentationen. Gemeinsam
mit Hanns Zischler 1976 Inszenierung der Stücke Die Schlacht und Traktor
von Heiner Müller in Basel. Seit 1966 auch Mitarbeit an Filmprojekten
anderer als Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent. Seit 1990 außerdem
zahlreiche Ausstellungen in Galerien und Museen. Seit 2004 Gastprofessor
an der Akademie für Bildende Künste, Wien.
Deep Play
vom 4. bis 7. April 2008 im Kino babylon berlin:mitte, Rosa-Luxemburg
Straße 2, 10178 Berlin
Vernissage (in Anwesenheit des Künstlers):
Freitag, 4. April 2008 um 18.00 Uhr
Presseanfragen:
HARUN FAROCKI FILMPRODUKTION
MATTHIAS RAJMANN
Gietlstr. 7
D - 81541 München / Munich
Tel.: +49( 0)89 201 35 47
Fax.: +49( 0)721 15 13 78 521
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