Talk "Fußball und Macht" in der Türkei

Samstag, 24. März 2018

In der Reihe „Fußball und Macht“ lief am Freitag der Film ‘Yesil Kirmizi’ (Rot Grün) von Ersin Kana. Anders als im Eröffnungsfilm ‘The Workers Cup’ geht es hier um professionelle Fußballer, aber beide Filme sind ähnlich bedrückend. Die Farben im Titel des Films sind die des Klubs Amed SK aus Diyarbakir im kurdischen Gebiet in der Türkei, das der Filmemacher vor zwei Jahren während und nach einem spektakulären Lauf im türkischen Pokal (der wie die Champions League strukturiert ist) begleitet.

Doch der sportliche Erfolg der Mannschaft ist nicht wirklich die Geschichte, die der Film erzählt (auch wenn viele schöne Tore im Film vorkommen). Vielmehr geht es um den (Bürger)krieg des türkischen Militärs gegen die PKK, der in Diyarbakir stattfindet; um die Ablehnung, die dem Verein entgegen schlägt, seit er seine kurdische Identität prominenter darstellt und darum, wie die Mannschaft von unter anderen Deniz Naki damit umgeht, unter diesen Bedingungen Fußball spielen zu wollen und zu müssen.

Der nicht nur in Deutschland bekannteste Fokus-Punkt der Auseinandersetzung ist Deniz Naki. Der frühere St. Pauli Spieler wurde nach dem Sieg Ameds gegen das hoch-favorisierte Bursaspor für 12 Spiele dafür gesperrt, Solidarität mit den kurdischen Opfern des Konflikts ausgedrückt zu haben, und fehlte so unter anderem im Pokal-Viertelfinale gegen Fenerbahçe. In Diyarbakir brachte das Naki viele Sympathien, im ‘türkischen’ Teil der Türkei wurde er dagegen, wie Regisseur Kana sagt, zu einer “Hassfigur". Diese Rolle habe, so der Filmemacher weiter, Naki leider auch angenommen und sich mit Trotz und Sturheit geweigert, Konzessionen zu machen. Inzwischen ist Naki in der Türkei lebenslang gesperrt, gab es Mordanschläge auf ihn auch in Deutschland und befindet er sich in einem Hungerstreik.

‘Yesil Kirmizi’ ist eine eindringliche point-of-view Reportage eines Fußballklubs, der in einer dramatischen Situation eng an seine Stadt gebunden ist und der zeigt, warum es auch und gerade, wenn Fußball nur Fußball sein soll unmöglich ist, den Sport für unpolitisch zu erklären. In dem dazu stattfindenden, von der Kooperative Berlin organisierten, Talk beschrieb der Politiker Öczan Mutlu von Bündnis90/Grüne die Kraft, Hoffnung in aussichtslosen Situationen zu schaffen als den Wert, den der Fußball haben kann. Dem stimmte Filmemacher zu: “Hoffnung zu haben ist der Grund, noch Filme zu machen"

Die Langfassung dieses Textes von Daniel Roßbach erschien bei Textilvergehen.