Unions Pionierinnen am Ball

Dienstag, 19. März 2019

Im Rahmen des Abends der Fußballkulturhauptstadt, 22.03. / 19:00 BABYLON 1

"Kondition, uns fehlte es einfach an Kondition." In der Erinnerung von Renate Richter war das ein Anlass, um im Jahr 1969 beim 1. FC Union Berlin das erste Frauen-Fußballteam zu gründen.

Renate "Koka" Richter, Margret Kattner und Sabine "Pony" Landsberger gehörten zu einer Gruppe von Studentinnen des Instituts für Lehrerbildung in Köpenick, die als Union-Schiedsrichterinnen Jugendspiele pfiffen. Und das war schon damals mit viel Rennerei verbunden. Die jungen Frauen waren bei Union willkommen. Das erste offizielle Frauenteam in einem Berliner Leistungssportverein trat erstmals am 22.9.1969 zum Training an. Union stellte nicht nur einen Satz Trikots, sondern hatte auch gleich zwei Trainer für die neuen Sportlerinnen abgestellt. Die zwei Bernds – Bernd Vogel und Bernd Müller, beides Spieler aus der ersten Union-Männermannschaft – wollten gerne Trainer werden, und endlich hat Union das richtige Team für sie.

Laut den Tagebuch-Aufzeichnungen von Sabine Landsberger dauert es aber noch zwei Monate, bis das Team komplett war. Im November 1969 schrieb sie: "Endlich das erste Training zu elft."

Beim ersten Spiel gegen eine Jugendmannschaft von Union setzte es ein 1:7. Aber die Studienfreundinnen ließen sich nicht entmutigen. Zwar gab es damals noch keinen strukturierten Frauen-Spielbetrieb – im Westen war es den Frauen vom DFB aus sogar noch verboten, Fußball zu spielen - und so trafen die Unionerinnen nur in Freundschaftsspielen auf andere Teams.

Besonders in Erinnerung geblieben ist das Auswärtsspiel bei Empor Tangermünde am Ostersamstag, den 10.4.1971. "Wir wurden empfangen wie kleine Stars. Es gab sogar eine Einladung zum Essen", erinnert sich Sabine Landsberger. Die lokale Zeitung schrieb, dass "Berlins prominenteste Damenfußballelf in Tangermünde gastiert". Viele Zuschauerinnen und Zuschauer kamen zum Spiel, das die Unionerinnen mit 1:3 verloren. 

Trotz der großen Aufmerksamkeit und der Freude am Spiel durften die Frauen nicht lange bei Union bleiben. Der Grund: Frauen-Fußball war damals noch nicht olympisch. 1971 verfügte der Deutsche Turn- und Sportbund DTSB, dass Sportarten, in denen keine olympischen Medaillen zu gewinnen waren, nicht mehr von Leistungssportclubs gefördert werden durfte. Als Volkssportlerinnen wechselte das Team dann zur VSG des Kabelwerkes Oberspree, allerdings ohne ihre beiden Bernds. Die Studentinnen bedauerten die Versetzung: "Wir wären gerne noch länger bei Union geblieben."

Mit dem Ende des Studium 1972 endete für die meisten Pionierinnen auch die Fußball-Karriere. Aber andere kamen nach. Seit 1990 gibt es wieder Frauen, die bei Union Fußball spielen. Erfolgreich: Unions erstes Frauenteam steht heute vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Die Spielerinnen von 1969/70 halten noch immer Kontakt. Und am 22. März 2019 treten sie erstmals wieder gemeinsam auf: Am 22. März 2019 – genau ein halbes Jahr vor dem offiziellen 50. Jubiläum – im Rahmen des "Abends der Fußballkulturhauptstadt", den das Internationale Fußballfilmfestival gemeinsam mit der DFB-Kulturstiftung im Kino Babylon ausrichtet. Wir freuen uns auf die ehemaligen Union-Spielerinnen Sabine Landsberger, Renate Richter, Margret Kattner, Silvia Trompeteler und Monika Pauly.

Hinweis für Unionerinnen und Unioner:

Am Abschlussabend - Montag, den 25.3. - ist Union-Kapitän Christopher Trimmel als Juror bei der 11mm shortkicks-Gala dabei. Mit anderen Prominenten aus Kultur und Sport stimmt er über den besten Fußball-Kurzfilm des Jahres ab.

Termine:

"Abend der Fußballkulturhauptstadt": FR, 22.03.2019 / 19:00 BABYLON 1 Order Ticket Eintritt 5 Euro

11mm shortkicks-Gala: MO, 25.03.2019 / 19:30 BABYLON 1 Order Ticket Eintritt 9 Euro